Kloster lebt Integration
Alt-Bundespräsident Christian Wulff besucht Kopten-Bischofsitz in Brenkhausen
(© Westfalen-Blatt vom 06. November 2018)
von Michael Robrecht
H ö x t e r / B r e n k h a u s e n (WB). Alt-Bundespräsident Christian Wulff hat gestern das koptische Kloster in Brenkhausen besucht. Er zeigte sich beeindruckt von dem, was die ägyptischen Christen und ihre vielen Unterstützer in 25 Jahren dort geschaffen haben.
Wulff wurde von Landrat Friedhelm Spieker, Bürgermeister Alexander Fischer, Bischof Anba Damian und vielen Vertretern des öffentlichen Lebens, auch aus Brenkhausen, begrüßt. Wulff und Damian wollten bewusst keinen politischen Besuch, jedoch machte der Ex-Präsident bei ein paar Statements eine kleine Ausnahme: Seinen Satz »Der islam gehört zu Deutschland« würde er mit Blick auf die vier oder fünf Millionen Menschen muslimischen Glaubens jederzeit wieder sagen. Im selben Atemzug habe er damals bei dem umstrittenen Satz auch gesagt, dass das Christentum zur Türkei und zur islamischen Welt dazu gehöre. Ihm sei aufgefallen, dass viele Debatten heute sehr hasserfüllt geführt würden.
Beeindruckt habe ihn das Zitat eines israelischen Schriftstellers, der gesagt habe, dass der Terrorismus nur eine Fliege im Porzellanladen sei. Wenn sich diese Fliege aber in einem Ohr eines Stieres, der auch im Laden stehe, einnisten würde, dann würde dieser Stier sofort alles zertrümmern und maximalen Schaden anrichten. Das sei ein treffendes Bild.
Bischof Damian zeigte dem Altbundespräsidenten in der Ausstellung auch Fotos von den Attentaten auf koptische Christen in Ägypten. Das frühere Staatsoberhaupt hörte von Verfolgung und Terror gegen die Menschen, die immerhin 20 Prozent der ägyptischen Bevölkerung stellten.
Bibelmuseum, Kapelle, Küche, Gästezimmer: Wulff, der aus Hannover ganz präsidial mit schwarzem Mercedes-Benz angefahren kam, hörte von Bischof Damian, wie sich das Kloster durch viele Ehrenamtliche zu dem entwickelt habe, was es heute sei. Möbel, Interieur oder zuletzt schöne blaue Stühle aus dem erzbischöflichen Priesterseminar in Paderborn, handwerkliche Hilfe – immer wieder gebe es helfende Hände und Besucher, die positiv über das geistliche und kulturelle Zentrum im barocken Klosterteil sprechen würden.
Der Präsident hörte auch, dass die Kopten lange als »Fremdkörper« in Brenkhausen gesehen wurden und sich ihren guten Ruf erarbeiten mussten. Das sei heute anders, auch die gute Kooperation mit Pastor Tobias Spittmann und der katholischen Kirchengemeinde im mittelalterlichen Klosterteil und dem Pastoralverbund. Wulff sagte, dass so eine Integration sehr wichtig sei für das friedliche Miteinander der Religionen und Glaubensgemeinschaften in Deutschland – in den Städten und auf dem Lande. Das Kloster lebe Integration. Er sei immer beeindruckt von der jahrhundertealten Tradition der Klöster wie Brenkhausen, aber auch dem Welterbe Corvey. »Wenn Steine reden könnten«, habe er zuletzt noch seinem Sohn gesagt als sie ein historisches Gebäude besucht hätten. Während des Mittagsessens wurde ein TV-Film der Deutschen Welle über das Koptenkloster gezeigt. Der Beitrag (auch in youtube-Mediathek aufzurufen) wurde und wird weltweit gezeigt und ist ein sehenswertes Stück, wie auch Ex-Präsident Wulff lobte. Christian Wulff bekam einige Einladungen, Höxter und Corvey zu besuchen. Er erinnerte sich auch einen Empfang im Porzellanschloss Fürstenberg, als er einst als Ministerpräsident über die Schönheiten Niedersachsens geredet und auf das westliche Weserufer gezeigt habe. Es sei doch ein wenig peinlich gewesen als ihn seine Zuhörer darauf hingewiesen hätten, dass das OWL und der Kreis Höxter sei. »Den Fauxpas werde ich nie vergessen« lachte der Ex-Präsident.
Am Rande notiert
Elmar-Brok-Tür: Bischof Damian hat in Erinnerung an eine Hilfsaktion des Europapolitikers Elmar Brok ein Portal nach Brok benannt. Bei Unruhen bombadierte die ägyptische Armee auch Gebäude an der St.-Marcus-Kathedrale, wo zwei Kopten eingeschossen waren. Die riefen in Brenkhausen an, baten um Rettung. Bischof Damian schaltete Elmar Brok und der Kanzlerin Angela Merkel ein, die wiederum die Kairoer Regierung dazu brachte, die Bombadements einzustellen.
Kennenlernen: Bischof Damian erzählte, dass er Christian Wulff bei der Verabschiedung der Bischöfin Margot Käßmann in Hannover kennengelernt habe. Es sei ein sehr heißer Tag gewesen und Wulff habe ihn und zwei anderen Gästen Wasser besorgt. Das sei eine gute Tat frei nach dem Bibelvers »Ich war durstig…« gewesen.
Gäste aus der Politik: Höxters Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) drückte seinen Respekt davor aus, dass Bischof Damian schon so viele prominente Besucher ins Kloster Brenkhausen geholt habe: Volker Kauder, Norbert Lammert, Claudia Roth, Elmar Brok, Ex-Präsident Horst Köhler. Da sei gar kein SPDMann dabei, meinte Fischer. Da kann er ja tätig werden…
Hotel Niedersachsen: Christian Wulff hat früher für seine Schwiegereltern im »Hotel Niedersachsen« Doppelzimmer für ihre Weserradtouren bestellt. Er selbst war dann privat auch in Höxter und Corvey unterwegs.


