Restaurierung von Orthodoxer Kirche im Berliner Osten
Einst von der Stasi beobachtet, heute „für einen Bischofssitz würdig“
Zu DDR-Zeiten stand die Glaubenskirche im Fokus der Stasi. Heute befindet sich dort der Bischofssitz der koptisch-orthodoxen Gemeinde St. Antonius und St. Schenouda. Für den traditionsreichen Bau gibt es große Pläne.
(© Tagesspiegel Plus Stand: 15.02.2026, 09:00 Uhr)
Von Dominik Lenze
Dächer wurden instand gesetzt. Zerbrochene Fenster erneuert. In diesen Wochen soll nun auch der Innenraum der ehemaligen Glaubenskirche in Berlin-Lichtenberg seinen ursprünglichen Glanz zurück erhalten. 75.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) stehen dafür bereit. Seit Jahren schon fördert die Stiftung die Restaurierung des Gebäudes. „Nun ist man endlich so weit, dass die Kirche und ihr Umfeld für einen Bischofssitz würdig sind“, sagt DSD-Sprecher Thomas Mertz.
Ein Bischofssitz im Berliner Osten
Denn in der geschichtsträchtigen Kirche am Roedeliusplatz, direkt gegenüber vom Amtsgericht, residiert mittlerweile die koptisch-orthodoxe Gemeinde St. Antonius und St. Schenouda. Seit Ende der 1990er-Jahre ist die Kirche offiziell koptischer Bischofssitz, auch wenn der offizielle Amtssitz von Bischof, oder wie es korrekt heißt: Metropolit Anba Damian, in einem Kloster in Ostwestfalen liegt.
Die Arbeiten am mittleren Bereich des Gewölbes haben bereits im November begonnen, laut DSD sollen sie am 30. März abgeschlossen sein. Die Instandsetzungsmaßnahmen an der Kirche laufen allerdings schon seit Jahren – Schritt für Schritt, mit langem Atem.
Der Innenraum ist noch weitgehend im Originalzustand erhalten: Fußboden, Geländer der Orgel- und Seitenemporen sowie der Altar mit seinen Schnitzreliefs stammen aus der Bauzeit zwischen 1903 und 1905. Damals wurde die Kirche für eine evangelische Gemeinde errichtet, entworfen von den Architekten Robert Leibnitz und Ludwig Tiedemann – derselbe Leibnitz, der auch am Bau des Berliner Hotels Carlton beteiligt war.
Stasi in Sorgen wegen Kirchturm
Zu DDR-Zeiten wurde die Kirchengemeinde von der Stasi beobachtet. Kopfzerbrechen bereitete der Behörde der hohe Turm der Kirche. Die Sorge der Spitzel: Von dort oben
könne das nahe gelegene Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ausgespäht werden. Das Bundesarchiv beschreibt, dass die zuständige Stasi-Abteilung jede „feindlichnegative“ Handlung im Umfeld des MfS erfassen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten sollte.
1998 übernahm die koptisch-orthodoxe Gemeinde das Gebäude. Zu dieser Zeit bot sich ein trauriges Bild: „Die Kirche war in einem katastrophalen Zustand“, sagt DSD-Sprecher Thomas Mertz. Auch Architektin Martina Abri und ihr Kollege Christian Raabe, beauftragt mit den Restaurationsarbeiten, erinnern sich: Dächer waren undicht, die kupferne Dachdeckung der Doppelturmanlage drohte herabzustürzen, Fenster waren nach dem Zweiten Weltkrieg nur notdürftig verglast worden. Eine Nutzung des Gebäudes sei kaum möglich gewesen.
Christliche Kirche aus Ägypten
Die St.-Antonius- und St.-Schenouda-Gemeinde gehört zu den wenigen koptischen Gemeinden in Deutschland. Die koptisch-orthodoxe Kirche zählt zu den ältesten christlichen Kirchen und hat ihre Ursprünge in Ägypten. Sie zählt weltweit rund zehn Millionen Gläubige.
Die DSD-Fördermittel stammen von Spenderinnen und Spendern sowie aus Erträgen der Glücksspirale. Metropolit Anba Damian nahm die Förderzusage am 21. Dezember 2025 entgegen.
Dächer, Fassaden und Fenster konnten bereits erneuert werden. Seit 2017 erfolgt die Restaurierung des Innenraums in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt und der unteren Denkmalschutzbehörde. Mittel dafür kamen von der DSD.
Ornamente unter Leimfarben
Worauf zielt der Aufwand ab? Der Raum soll wieder so aussehen wie 1905. Die jetzt bewilligten Mittel dienen laut DSD dazu, die vorhandenen historischen Farbfassungen zu konservieren und sorgfältig zu restaurieren. Diese sind derzeit von Leimfarben überdeckt, doch dahinter sollen sich farbige Ornamente und verschiedene religiöse Darstellungen verbergen.
Für die vollständige Fertigstellung des Innenraums steht noch ein weiterer Bauabschnitt an: die Restaurierung der Südwand, des Triumphbogens mit der dahinterliegenden Orgel sowie der Treppenhäuser. Die Vollendung ist in Sicht – der konkrete Termin hängt jedoch von der weiteren Finanzierung ab. Geplant ist zudem, die historische „Sauer-Orgel“ wieder instand zu setzen. Dann könnte man die Kirche künftig auch als Konzertort nutzen, schreiben Abri und Raabe.

