Eine halbe Million Euro fürs Kloster
Von wegen Raum der Stille: Das Kloster Brenkhausen soll Tourismus, Religion und Kultur miteinander verbinden und einen Erlebnisort schaffen.
(© Neue Westfälische vom 23. Oktober 2026)
von Ralf T. Mischer
Brenkhausen. Ein Kloster ist eigentlich ein Ort der Stille. Das Kloster in Brenkhausen hat sich aber schon seit Jahren zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs entwickelt – und es soll sich weiter öffnen: Nicht nur der koptisch-orthodoxe Glaube soll in den altehrwürdigen Mauern Platz haben, sondern auch Kultur, spirituelle Erfahrung und sogar Tourismus. Eine halbe Million Euro fließt dafür ins Gebäude: Aus dem Kloster wird ein Begegnungsort.
Bürgermeister Daniel Hartmann bezeichnete das Kloster in Brenkhausen als einen Ort, den man betrete und von dem man „sehr, sehr, sehr beeindruckt“ sei. Die Gastfreundschaft, die Metropolit Anba Damian seinen Besuchern entgegenbringe, sei großartig. Auch Landrat Michael Stickeln war voll des Lobes für das Kloster und für die ehrgeizigen Pläne, die es vorantreiben will.
„Der Erlebnisort Kloster Brenkhausen ist ein Projekt, das zutiefst stolz macht.“ Es zahle ein auf die Identität, die Weltoffenheit und die touristische Wertschöpfung des Kreises Höxter. Auch Anba Damian selbst zeigte sich glücklich, dass koptische Identität, Kultur und Spiritualität sich in der geplanten Form im Kloster präsentieren können.
Konkret geplant ist eine mediale Dauerausstellung im Klostergebäude, die die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Brenkhausen, die Wurzeln der koptischen Kirche und biblische Themen präsentiert. Der historische Klosterinnenhof soll den räumlichen Mittelpunkt der Anlage bilden. Im Rahmen des Projekts wird er barrierefrei umgestaltet und soll als Begegnungs- und Aufenthaltsort genutzt werden können.
Ein Informationspavillon vor dem Kloster soll auch dann offen stehen, wenn das Kloster gerade geschlossen ist. Er dient als niederschwelliger Anlaufpunkt für Besucher. Im Pavillon selbst gibt es Informationen über das Kloster – aber auch über weitere touristische und kulturelle Ziele, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten aber auch Pilger- und Klosterwege.
Insgesamt fließen 500.000 Euro in das Vorhaben. 250.000 Euro davon stammen aus Leader-Mitteln, einem Förderprogramm zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Regionen. Johannes Potthast von der lokalen Leader-Aktionsgruppe hat den Zuwendungsbescheid am Mittwoch, 21. Oktober, im Gepäck – und ein dickes Lob: „Dieses Projekt erfüllt genau das, was Leader ausmacht.“ Weitere 250.000 Euro für den „Erlebnisort Kloster“ geben die koptische Kirche und der Metropolit.
Den Hut bei der Umsetzung hat Sebastian Plötzken auf. Er hat übrigens auch schon den Förderantrag formuliert und eingereicht. Mit einem Team führt er die Arbeiten vor Ort aus und kuratiert das Gesamtkonzept – von den Exponaten über Medien, Bilder und erläuternde Texte. Er und Anba Damian haben sich bereits im Jahr 2024 kennengelernt. „Er hat mir damals von seinen Ideen für das Kloster erzählt, viele hatte er schon sehr lange. Aber es fehlte die Umsetzung.“
Plötzken hat die Ideen schließlich in die Sprache der Bürokratie übersetzt, die beherrscht werden sollte, wenn Förderanträge auch bewilligt werden sollen. Im Jahr 2025 wurde ein erster kleinerer Raum eröffnet. Darin ist die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten dargestellt. Dieser Raum wird Teil einer größeren Dauerausstellung mit drei weiteren Räumen sein. Dazu kommen der Innenhof und der Pavillon.
„Wir wünschen uns, dass das Projekt im nächsten Jahr fertig ist“, sagt Sebastian Plötzken. Die Förderung ist aber bis zum Jahr 2028 angesetzt – bleibt also noch genug Puffer.


