Innenhof wird „wachgeküsst“

LEADER: Erlebnisoffensive im Kopten-Kloster – von der digitalen Ausstellung bis zum Info-Pavillon

(© Westfalen-Blatt vom 23. Oktober 2026)

BRENKHAUSEN (WB) Wer im alten Gemäuer des Klosters in Höxter-Brenkhausen an der Tür mit dem schweren Eisengitter auf den Innenhof blickt, der kann erahnen, was dort geplant ist. Ein neues Großprojekt im Innen- und Außenbereich soll das Kloster noch lebendiger machen.

Mit gut gelaunten Ehrengästen und Vertretern aus der Region hat der „Hausherr“ des koptisch-orthodoxen Klosters, Metropolit Anba Damian, einen starken Moment erleben dürfen. Auch wenn es beim Spatenstich im Klosterinnenhof fast nur regnete – die Freude in den Herzen der Beteiligten überstrahlte alles.

Es ist ein großer Schritt nach vorn, der im Rahmen des von LEADER geförderten Gesamtprojektes mit gleich drei Einzelmaßnahmen unternommen wird. Das Kloster soll damit als spiritueller, kultureller und touristischer Erlebnisort im Kreis Höxter noch mehr an Bedeutung gewinnen. Die ersten Arbeiten beginnen in diesem Jahr.

Die Anziehungskraft soll gesteigert werden durch einen neu gestalteten, barrierefreien Innenhof, eine multimediale Dauerausstellung und einen vor dem Kloster im Außenbereich für alle frei zugänglichen Informationspavillon. Damit werden künftig Geschichte, Glauben, Begegnung und die touristischen Angebote ideal miteinander verbunden. Das neue Projekt möchte beide Perspektiven zusammenführen: die Geschichte des konkreten Gebäudes und das lebendige kulturelle sowie spirituelle Erbe seiner heutigen Gemeinschaft.

Der Ort soll nicht zu einem Museum umgedeutet werden. Vielmehr wird das bestehende Kloster für interessierte Menschen besser erschlossen und verständlicher. Projektberater ist der studierte Theologe Sebastian Plötzgen, der sogar auf internationaler Ebene Erfahrungen mitbringt und für die Feierstunde extra aus der Pfalz angereist war. Der 43-Jährige sagte dem WESTFALEN-BLATT: „Der Zuspruch für die eng mit Anba Damian erarbeiteten Maßnahmen ist von Beginn an groß gewesen.“

Plötzgen, der fließend Arabisch spricht und viele Jahre im Nahen Osten gewirkt und auch Projekte für die Bundesrepublik mit begleitet hat, arbeitet heute freiberuflich von Zuhause aus. Auch die ägyptische Kultur kennt er gut: „Ich habe dort zehn Jahre lang gelebt!“ Seine Einschätzung, was die bisherige Zusammenarbeit mit dem Kreis Höxter und dem LEADER-Team anbetrifft, fällt sehr positiv aus. Der Vorteil von LEADER-Projekten sei, dass es zwar sehr klare Vorgaben gibt und man alles ganz genau bis ins kleinste Detail planen muss. „Wenn aber der Antrag steht, dann läuft es auch“, so der Experte Plötzgen.

Zu den ersten Gratulanten gehörte bei der kleinen Feierstunde Höxters Landrat Michael Stickel, der in seinem Grußwort deutlich machte, wie wichtig das Kloster für die Region ist. Er lobte: „Wo einst eine vernachlässigte Klosterruine stand, haben starke Hände und Herzen Stein für Stein ein weltweites Zentrum der Begegnung geschaffen!“ Die geistliche und historische Kraft dieser alten Mauern in Brenkhausen sei schon immer zu spüren gewesen.

Der Kreis Höxter sei deutlich von seinem klösterlichen Erbe geprägt. Stickeln: „Wir leben in einer einzigartigen Klosterregion, die mit 26 historischen und aktiven Klosterorten die größte Dichte in ganz Deutschland aufweist!“ Ein Herzstück dieser Identität bildet natürlich das UNESCO-Weltkulturerbe Corvey. Aber auch die historische Abtei Marienmünster (von Brenkhausen aus nur wenige Kilometer entfernt) zeuge von der tiefen Verwurzelung des Klosterlandes. Das koptisch-orthodoxe Kloster Brenkhausen „schmiegt sich damit eindrucksvoll als ein weithin sichtbarer Leuchtturm in ein Netzwerk aus dem harmonischen Zusammenspiel von Kulturland und Klosterroute ein“. Bereits Anfang 2025 durfte er als Landrat zu Gast im Kloster Brenkhausen sein, um den ersten „Meilenstein“ dieses großen LEADER-Vorhabens zu würdigen: die Eröffnung des ersten Raumes der multimedialen Dauerausstellung über die Flucht der Heiligen Familie. Mit dem Spatenstich im Innenhof feierten sie nun den Auftakt zur Vollendung des Gesamtprojekts, das mit einem Investitionsvolumen von rund einer halben Million Euro an Gesamtsumme realisiert wird. Möglich geworden sei dies durch die gezielte Unterstützung des europäischen Förderprogramms LEADER und eine bewilligte Höchstförderung von maximal 250.000 Euro. Der Kreis Höxter gehöre mit seinen zehn Städten und 124 Dörfern zu den 45 Leader-Regionen in Nordrhein-Westfalen. Bis voraussichtlich August 2028 soll das Projekt, das koptische Spiritualität und modernen Tourismus verbindet, abgeschlossen sein. Die Gesamtmaßnahme sei ein „Dreiklang“, der neben dem weiteren Ausbau der multimedialen Dauerausstellung die barrierefreie Neugestaltung dieses historischen Klosterinnenhofs als „Oase der Begegnung“ und die Errichtung des rund um die Uhr geöffneten Informationspavillons im Außenbereich umfasst. Stickeln dankte auch der lokalen Aktionsgruppe im Kulturland um Johannes Potthast (Vorsitzender) und dem LEADER-Regionalmanagement für den unermüdlichen und leidenschaftlichen Einsatz.

Für Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann ist es vor allem Metropolit Anba Damian, der den Ort mit großem Engagement geprägt hat. „Sie haben nicht nur historische Mauern bewahrt, sondern vor allem mit Leben gefüllt – und das weit über die Grenzen Ihrer Kirche hinaus“, so Hartmann.

Das Kloster sei für Brenkhausen selbst auch von großer Bedeutung. Es gehöre zur Identität des Höxteraner Dorfes. Das Kloster sei nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein „Herzstück des gemeinschaftlichen Lebens“. Das neue Projekt eröffne Chancen für die Stadt und den Kreis Höxter.

Rückblick: Das Kloster Brenkhausen wurde 1245 als Zisterzienserinnenkloster gegründet und 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Seit 1993 wird es als koptisch-orthodoxes Kloster genutzt.